Skinheads – alles Nazis?

Die rechte Skinhead-Band Endstufe

Skinheads – alles Nazis?

Die Skinheadszene ist eine der ältesten Jugendkulturen in Deutschland. Ursprünglich stammt diese Szene aus Großbritannien, wo sie ca. 1969 unter Jugendlichen aus der Arbeiterklasse entstand. Ihre Merkmale waren die sehr kurzen Haare und die schweren Arbeiterstiefel. Sie hörten wie die jamaikanischen Migrant_innen aus ihrer Umgebung Ska (ein schneller Musikstil aus Jamaika) und Reggae.

Ursprünglich war die Skinheadszene keine politisch motivierte Jugendkultur. Es ging um Musik, Alkohol, Fußball und Spaß. Ende der 1970er Jahre fielen die ersten Skinheads in deutschen Großstädten auf. In dieser Phase war Punk vielen deutschen Jugendlichen nicht mehr provokant genug, wieder andere wollten sich explizit von dem ungepflegten Aussehen der Punks distanzieren und viele Jugendliche aus der Punkszene wurden zu Skinheads.

Es fühlten sich auch zunehmend Jugendliche mit rechtem Gedankengut von dem einschüchternden Auftreten der Skins mit kahlrasiertem Schädel und wuchtigen Stiefeln angezogen. Ihnen gefiel das aggressive Auftreten und die Uniformiertheit dieser Gruppe und so wurde eine ursprünglich unpolitische Subkultur von den Rechten unterwandert. Die Medien taten sich schwer, hier zu unterscheiden. Oft wurden alle Skinheads pauschal als Neonazis betrachtet.

Rechte Skins (Nazi-Skins, Boneheads)

Das negative Image der Skinheads stellte für viele Jugendliche einen Reiz dar. Subkultur bedeutet oft, sich vom Mainstream abzugrenzen und ›Normalbürger‹ provozieren zu wollen. Bei Skins zeigt sich das vor allem durch das Zurschaustellen harter Männlichkeit, Alkoholkonsum und Gewaltbereitschaft.

Im Laufe der Jahre entstand eine große rechte Szene innerhalb der Skinheadsubkultur – die Nazi-Skins. Für viele Jugendliche wichtige Werte wie Gruppenzugehörigkeit und Zusammenhalt wurden durch gemeinsame Freizeitgestaltung, wie zum Beispiel Konzert- und Stadionbesuche ausgelebt.

Schnell entstanden in Deutschland unzählige Bands, die mit rechtsextremen Liedern und gewaltbereitem Auftreten der Kultur und dem Stil der Skinheadszene den rechten Stempel aufdrückten. Auch das brutale und rassistische Verhalten rechter Skinheads in der Zeit nach der Wiedervereinigung trug zum negativen Image der gesamten Szene bei.

SHARP Skins (SkinHeads Against Racial Prejudice)

Die SHARP Bewegung ist ein lockerer Zusammenschluss von antirassistischen Skinheads, die sich deutlich und öffentlich von rechtsextremen Skins abgrenzen. Ursprünglich in den späten 1980ern in den USA entstanden, kam diese Bewegung durch den Musiker Roddy Moreno von der Band The Oppressed nach Europa und ist inzwischen auch in Deutschland verbreitet.

Noch einen Schritt weiter gehen die RASHs (Red and Anarchist Skinheads), die sich aktiv linkspolitisch engagieren.

Oi! Skins

Die Musik der Szene entwickelte sich im Laufe der Zeit sowohl in England als auch in Deutschland weg von Ska und Reggae hin zu Oi!, einer dem Punk verwandten Musikrichtung, mit ebenso rauen Tönen, aber weniger politischen Texten.

Viele dieser Skinheads verstehen sich als unpolitisch und wollen nichts mit den Nazi-Skins zu tun haben. Sie wollen nur Bier trinken, auf Konzerte oder ins Stadion gehen und Spaß haben.

Traditionelle Skinheads

Traditionellen Skinheads (z.B. Trojan-Skins, benannt nach einem britischen Plattenlabel für Reggae und Ska) geht es vor allem um den Erhalt des Ursprungsgedankens der Szene, den sogenannten ›Spirit of ’69‹. Sie grenzen sich von jeglicher Politik ab und stylen sich ›smart‹, nach altem britischem Vorbild. Kein kahlrasierter Schädel und Stiefel, sondern eher kurze Haare (Crop) und legeres Schuhwerk (Loafers). Ihr Musikgeschmack ist stark von Reggae, Ska und Northern Soul geprägt.

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