›ganz gut, für ein Mädchen!‹ – Sexismus im Skateboarding

Lea Schairer mit einem 50/50 Pop out

›ganz gut, für ein Mädchen!‹ – Sexismus im Skateboarding

In den 1960er Jahren liefen in den USA die ersten maschinell gefertigten Skateboards vom Band. Doch Skateboarding als Sport, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich erst Mitte der 1970er Jahre. In Venice Beach, Kalifornien waren es Surfer_innen, welche während einer sommerlichen Dürreperiode die leeren Pools zum Skaten nutzten und mit ihrer spektakulären Fahrweise die ganz Szene auf den Kopf stellten. Zu diesen Pionier_innen zählten bekannt gewordene Fahrer_innen wie Tony Alva, Stacy Peralta oder Peggy Oki. Skateboarding entwickelte sich zu einem Trend und wurde kommerziell im großen Rahmen ausgeschlachtet. In Deutschland verhalf der Münsteraner Titus Dittman, der mit ›Titus‹ auch einen eigenen Shop gründete, zu Beginn der 1980er Jahre Skateboarding zu mehr Aufmerksamkeit.

Wahrgenommen wird Skateboarding, wie viele andere Fun- oder Extremsportarten wie Snowboarding, Surfing oder BMXing, meist als Sport für Jungs. Die Skate-Crews sind hauptsächlich männlich und Mädchen fällt es oft schwer, ein Teil dieser Jungswelt zu werden. Wenn sie überhaupt dabei sind, stehen sie eher am Rande und schauen zu, anstatt selbst zu fahren. Aber es gibt auch Mädchen, die nicht nur am Rand stehen, sondern sich den Spaß nicht nehmen lassen und sich selbst in die Halfpipe stürzen.

Ein Frauensport?

Beim Skaten stehen Körperlichkeit und Leistungsbereitschaft im Vordergrund. Nur wer sich was traut und möglichst viele waghalsige Tricks beherrscht, bekommt auch Anerkennung in der Szene. Viele rollen täglich, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. In den Skate-Crews geht es außerdem um ein Gemeinschaftsgefühl. Man hängt zusammen ab und unterhält sich über Alltägliches, über Musik, Filme etc.

Skaterinnen haben immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Sie werden von anderen oftmals ganz besonders kritisch beäugt, weswegen es dann zu Sprüchen kommt wie ›Ganz gut, für ein Mädchen!‹. Dass nur wenige Mädchen skaten, liegt außerdem daran, dass sie anders erzogen werden: Es wird ihnen beigebracht, Situationen in denen es um Selbstüberwindung, Mut und Schmerz geht, zu vermeiden. Trotz dieser Hindernisse gibt es Mädchen, die Skateboard fahren – und sich dabei nicht weniger trauen als Jungs.

Professionelle Skaterinnen

Wie bei den Männern und Jungs gibt es Frauen und Mädchen, die sehr hart trainieren und sich professionalisieren. Neben Elissa Steamer aus den USA, der berühmtesten Profi-Skaterin weltweit, gibt es eine ganze Reihe an in der Skater_innen-Szene bekannten Frauen, die auch an internationalen Wettbewerben teilnehmen. In Deutschland gehören hier zum Beispiel Anna Kruse, Sabrina ›Puse‹ Göggel, Lea Schairer oder die Zwillingsschwestern Stephanie und Sabine Schuhmann dazu.

Was es allerdings bei herkömmlichen Skate-Contests häufig nicht im selben Umfang für Jungs und Mädchen gibt, ist Geld. Den Sponsor_innen (und Veranstalter_innen) der großen Events sind offenbar die Skaterinnen weniger wichtig als die Skateboard fahrenden Jungs: Die Preisgelder, die bei Wettbewerben für den ersten Platz für Mädchen und Frauen zur Verfügung gestellt werden, sind um ein Vielfaches niedriger als die für Jungen und Männer. Um den Sexismus auf die Spitze zu treiben, ist die Einteilung, in der hier die Wettbewerbe gefahren werden, ›Pros‹ (Profis) einerseits und ›Girls‹ (Mädchen) andererseits.

Langsam etablieren sich aber auch reine Girls Contests, wie der ›Suck My Trucks‹-Contest in Berlin oder ›Görls Go Skate!‹ von GörlsRocknRoll Skateboarding e.V. in NRW.

All Girls Crews

Inzwischen entstehen immer mehr weibliche Skate-Crews, die sich sehr selbstbewusst in der Öffentlichkeit präsentieren. Dazu Bianca von GörlsRocknRoll Skateboarding e.V. aus Düsseldorf:

»Erfreulicherweise tut sich ja auch unheimlich viel in der Mädelsszene, die Zeit ist auf jeden Fall gekommen. Und ich möchte einfach noch viel mehr Mädels motivieren sich ein Brett zu schnappen, anstatt nur drauf zu sitzen und die Jungs im Park anzuhimmeln.«

Kathi aus der gleichen Clique meint:

»Klar, es gehört schon ein bisschen was dazu sich gegen die männliche Überzahl im Park durchzusetzen, aber davon sollen sich die Mädels nicht beirren lassen. So blöd, wie die Jungs immer tun, finden sie uns nämlich gar nicht, auch wenn das manchmal den Anschein macht.«

In vielen Skatehallen gibt es inzwischen spezielle Zeiten für Mädchen, damit diese in Ruhe und ohne dumme Sprüche trainieren können. Auch Zeitschriften wie ›Golden Ride. All Girls Board Magazine‹ und Communities und Blogs im Internet wie www.grrroll.de der gleichnamigen ›Frauen- und Mädchen-Skatebande Berlin‹ oder www.skatergirlinternational.com spielen eine immer wichtigere Rolle.

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