Popmusik und Rechtsextreme Propaganda – Die NPD-Schulhof-CD

Popmusik und rechtsextreme Propaganda – Die NPD-Schulhof-CD

Die Idee der NPD-Schulhof-CD stammt ursprünglich aus einer Werbeaktion der Freien Kameradschaften (s. Themenbereich zu den Autonomen Nationalisten) aus dem Jahr 2004, die eine CD mit dem Titel ›Anpassung ist Feigheit‹ veröffentlicht hatten und dann versuchten, diese an Jugendliche zu verteilen. Da die CD allerdings verfassungsfeindliche Inhalte enthielt, wurde sie schnell verboten. Die rechtsextreme Partei NPD übernahm diese Idee und produziert ebenfalls seit 2004 CDs, um Werbung für die Partei zu machen und rechtsextreme Inhalte unter Jugendlichen zu verbreiten. Die Songs auf den CDs der NPD sind inhaltlich nicht offensichtlich rassistisch oder antisemitisch. Deshalb können sie nicht verboten werden, auch wenn sie eindeutig rechtsextreme Ansichten enthalten.

Die vertretenen Bands und Musiker_innen stammen alle aus der rechtsextremen Szene, das musikalische Spektrum umfasst u.a. Rechtsrock, NS-Hardcore, Liedermacher oder auch Hip Hop.

Songbeispiel: Annett – ›Zeit zu rebellieren‹

Dieses Lied der rechtsextremen Sängerin Annett findet sich auf der NPD-CD ›Schrecken aller linken Spießer und Pauker‹ von 2005 und zeigt, wie auf harmlos erscheinende Weise rechtsextreme Inhalte verbreitet werden können. Beispielsweise wird das ›deutsche Volk‹ zum Opfer stilisiert und die Gefahr einer ›Überfremdung‹ heraufbeschworen. ›Deutsche‹ sind hier nicht all diejenigen, die einen deutschen Pass besitzen, sondern nur diejenigen, die eine ›deutsche Abstammungsgeschichte‹ haben. Das Wort Vermischung verdeutlicht dabei die rassistische Denkweise der Sängerin und bezieht sich auf eine angebliche Vermischung des Blutes, das dadurch nicht mehr ›reinrassig‹ deutsch sei.

  • […]
  • Deshalb steh auf, du deutsches Volk
  • Hast viel schlimmes Leid hinter dich gebracht
  • Es ist deine Heimat, dein Land, dein Tod
  • Deutschland braucht dich jetzt, in seiner Not
  • […]
  • Doch wenn ein Deutscher im Staat weniger zählt
  • wie ein Flüchtling oder ein Anderer hier
  • Dann frag ich laut: Läuft hier was schief?
  • Denn die Leidenden sind wir
  • […]
  • Und wenn es die da oben nicht langsam kapieren
  • Dann wird in Deutschland bald gar nichts mehr passieren
  • Vermischung pur, ist das das Ende vom Lied?
  • Und es eine Minderheit an Deutschen in Deutschland gibt

Die Lunikoff Verschwörung

Die Band Die Lunikoff Verschwörung ist eine bekannte rechtsextreme Band aus Deutschland und regelmäßig auf den NPD-CDs vertreten. Ihr Sänger Michael Regener, auch bekannt als Lunikoff, sang früher bei der Neonaziband Landser. Diese Band wurde in Deutschland als erste Band überhaupt als kriminelle Vereinigung eingestuft und verboten. Ihre Lieder enthalten eine Vielzahl an rassistischen, menschenverachtenden und gewaltverherrlichenden Inhalten. Michael Regener wurde wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, seit 2008 ist er wieder auf freiem Fuß. Seit seiner Haft besitzt er eine Art Heldenstatus innerhalb der Neonaziszene.

Enesses

Enesses – eigentlich N’Socialist Soundsystem – ist ein Hip Hop-Projekt der süddeutschen Rechtsrockband Häretiker. Sie sind ein Beispiel für die Versuche von Neonazis, durch Hip Hop Jugendliche außerhalb der rechtsextremen Szene zu erreichen. Das Projekt war 2011 das erste Mal auf einer NPD-CD vertreten. In der rechten Szene werden Enesses aufgrund des afroamerikanischen Ursprungs von Hip Hop kontrovers diskutiert, da Hip Hop nach Ansicht vieler Neonazis nicht deutsch und ›weiß‹ genug ist. Ob der Versuch überhaupt gelingen kann, auf diesem Weg jugendliche Hip-Hop-Hörer_innen zu erreichen, ist sowieso fraglich, da die Ablehnung von Neonazis in der Hip Hop-Szene fest verankert ist.

Frank Rennicke

Der in der rechtsextremen Szene sehr bekannte Liedermacher Frank Rennicke war maßgeblich an der Produktion der CDs beteiligt und erscheint auf diesen mehrfach mit eigenen Kompositionen.

Er war Jugendführer der mittlerweile verbotenen rechtsextremen Jugendorganisation Wiking-Jugend, ist Mitglied der NPD und hat für diese bereits zweimal für die Bundespräsidentschaft kandidiert.

Gegenmaßnahmen

Die NPD-CDs haben zu verschiedenen Gegenmaßnahmen geführt. So gibt es beispielsweise die von der Band ZSK gegründete Initiative ›Kein Bock auf Nazis‹. Es wurden bereits zwei DVDs veröffentlicht, auf denen Bands wie Die Toten Hosen, Die Ärzte oder Culcha Candela ihre Stimme gegen Rechtsextremismus erheben. Die DVD zeigt außerdem einen 80-minütigen Film, der Interviews mit den beteiligten Bands sowie eine Dokumentation über rechte Strukturen in Deutschland enthält.

Unterstützt wird das Projekt durch das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz), die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt Braunschweig.

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