das große Tabu – Homosexualität im Männerfußball

Ein homophobes T-Shirt von Fans des FC Sachsen Leipzig

DAUMen hoch für eine freie Liebe

das große Tabu – Homosexualität im Männerfußball

Das Stadionerlebnis hat etwas Wildes und Reizvolles. Die Fankurven sind seit ihrem Entstehen ein Ort, an dem für rund 90 Minuten die Regeln und Normen des Alltags vergessen werden. Fußballfans gibt es schon solange es Fußball gibt. Allerdings gab es immer wieder verschiedene Gruppen, welche die Fanblöcke am meisten geprägt haben. Seit den 1990er Jahren haben die Ultras diese Rolle übernommen. Sie sind meist jung und verstehen sich als die aktivsten Fans. Sie organisieren die Stimmung, führen Choreographien durch und engagieren sich stark für ihren Verein, ihre Fankurve und ihre UltraUrsprünglich aus Italien stammend, gibt es diese organisierten Fangruppen seit den 1980er Jahren auch in Deutschland. Heute haben alle großen Vereine eigene, vom Verein unabhängige Ultra-Gruppen.-Gruppe. Kurzum, sie drücken der Fanszene ihren Stempel auf.

Auch wenn sich der Fußball immer weiter öffnet, er bleibt eine Bastion der Männerwelt. Alle kennen das: In der Gruppe fühlt man sich stark. Das gilt insbesondere für männlich geprägte Fußballfangruppen. So wird der Gegner häufig als schwaches, feminines Gegenstück zum eigenen, männlichen Härte-Kult dargestellt. HomophobeHomophobie ist die Feindlichkeit gegenüber Schwulen und Lesben. In diesen Texten geht es meist nur um Schwulenfeindlichkeit. Lesben sind von homophoben Äußerungen und Angriffen aber genauso betroffen., das heißt schwulenfeindliche, Beleidigungen dienen vielen Fans dazu, sich der vermeintlichen eigenen männlichen Überlegenheit zu vergewissern und den Gegner abzuwerten. Dabei sind der Männerfußball und das Drumherum gar nicht nur hart und aggressiv, sondern auch sehr emotional. Berührungen, Umarmungen, Po-Klapser und Tränen sind beim Fußball allgegenwärtig.

Schwulenfeindlichkeit im Männerfussball

Seit einigen Jahren wird Homophobie im Männerfußball häufiger thematisiert. Trotzdem gilt Homosexualität nach wie vor als großes Tabu. Bisher hat sich in Deutschland kein Fußballprofi geoutet, denn wenn ein Mann auf Männer steht, ist der offene Umgang mit der eigenen Sexualität für Fußballprofis noch immer nicht möglich. Zu groß ist die Gefahr angefeindet zu werden. Homophobe Sprüche und Fangesänge gehören weiterhin in vielen Stadien dazu. Anders ist das im Amateurfußballbereich. Dort gibt es mittlerweile zahlreiche schwule und lesbische Fußballteams. Auch in den Fankurven ist einiges passiert: Neben einer wachsenden Zahl an schwulen Fanklubs gibt es immer häufiger Widerspruch, wenn mal wieder so getan wird, als sei die Homosexualität ein Problem und nicht der diskriminierende Umgang mit Schwulen und Lesben. Dazu ein Zitat aus einem Internetforum:

»schwul hin oder her. was ist da schon das problem?!? das entscheidende für einen fußballprofi ist dass er auf dem platz seine leistung bringt. mit wem […] er im privatleben ins bett geht oder was für praktiken er bevorzugt, geht keinen was an.« www.ultras.ws, Zitat von leeroy1953

Der Umgang mit Homophobie im Fussball

»Ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.«

so der Trainer Christoph Daum im Mai 2008 zu den Bemühungen des Deutschen Fußball Bundes (DFB) und seines damaligen Präsidenten Theo Zwanziger, Homophobie im Fußball zu bekämpfen. Daum argumentiert hier auf sehr rückständige Weise gegen einen offeneren Umgang mit Homosexualität mit dem ›Schutz der Kinder‹, als wäre Homosexualität eine Gefahr. Dabei ist der DFB bis heute sowieso eher zurückhaltend im Umgang mit dem Thema Homosexualität, auch wenn sich langsam etwas bewegt. Einen Schritt weiter sind manche Ultra- und andere Fangruppen. Als Antwort auf die Äußerungen von Christoph Daum präsentieren beispielsweise Ultras aus Babelsberg das Spruchband »DAUMen hoch für eine freie Liebe!«.

Faninitiativen gegen Homophobie

Aktionen und Aktivitäten ›von unten‹, also aus den Szenen und Subkulturen selbst, sind meist erfolgreicher als ›von oben‹, also von den Vereinen oder dem DFB verordnete, offizielle Maßnahmen. Eine von aktiven Fans ins Leben gerufene Kampagne ist die Transparent-Aktion der Initiative ›Fußballfans gegen Homophobie‹. Seit 2011 tourt das Transparent durch viele Fankurven. Es hing bereits bei Werder Bremen, FC St. Pauli, Fortuna Düsseldorf, Hamburger SV, 1.FC Nürnberg, Hannover 96, Schalke 04, 1.FC Köln, Babelsberg 03, Carl Zeiss Jena, TeBe Berlin und vielen weiteren Klubs. Hier macht das Transparent Station in Göttingen – »Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?«.

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